Tech-Stack & Roadmap

Stadtportal-as-a-Service auf Basis von unser-wuerzburg.com — ergebnisoffene Stack-Evaluation und Produktions-Roadmap


BerichtstypTechnologie-Entscheidungsvorlage & Umsetzungs-Roadmap
Stichtag3. Juni 2026 — alle Versionsstände, Preise und Rechtslagen per Websuche zu diesem Datum erhoben
ScopeVoll-SaaS „Stadt- & Veranstaltungsportal-as-a-Service“: Multi-Tenant-Plattform mit News/Redaktion, Eventkalender + Ticketing, Gastro-/Branchenverzeichnis, Tourismus — je Tenant eigene Domain + Redaktions-Backend. Zielkunden: Kommunen, Stadtmarketing-GmbHs, DMOs, Regionalverlage (DACH).
Team-Annahme1–3 Entwickler (Kernkompetenz: PHP-Backend, CMS-/E-Commerce-Systeme, modernes Frontend mit TypeScript), intensiver Claude-Code-Einsatz, bisher klassisches Shared-Hosting
Skalen-Annahme10–200 Tenants, leselastig, SEO-kritische Public-Seiten, öffentliche Auftraggeber (Datenresidenz DE/EU = harte Vertriebsanforderung)
BezugBaut auf der Risikoanalyse vom 19.05.2026 auf. Deren No-Go-Bewertung des Voll-SaaS-Pfads bleibt unverändert gültig — dieser Report beantwortet ausschließlich die Frage: Wenn gebaut wird, dann wie?
Stack-Empfehlung
Gesamtbewertung nach ergebnisoffener Evaluation
Empfohlen wird ein bewährter, EU-hostbarer Server-Stack mit der höchsten Team-Expertise: ein etabliertes PHP-Backend-Framework (Monolith) mit relationaler Datenbank und datenbankseitiger Mandantenisolation, einem server-gerenderten, SEO-fähigen Public-Frontend und einem etablierten Admin-/Redaktions-Framework, betrieben auf einem EU-Cloud-Hoster. Kein evaluierter Alternativ-Stack bietet bei diesem Anforderungsprofil einen Vorteil, der den Verlust der Team-Expertise aufwiegt — und der einzig ernsthafte Alternativpfad scheitert an der EU-Datenresidenz-Anforderung der Zielkunden.
Ehrlicher Rahmen vorab
Die Risikoanalyse vom 19.05.2026 bewertet den Voll-SaaS-Pfad als No-Go (schrumpfender Markt, 9–18 Monate Vergabe-Sales-Cycle, Förder-Wettbewerber). Dieser Report ändert diese Einschätzung nicht. Die Roadmap ist deshalb bewusst so geschnitten, dass das Event-Modul (Phase 3) und die SaaS-Schicht früh eigenständig verkaufbar sind — faktisch entspricht der Stand nach Phase 3 der „Variante B“ aus der Risikoanalyse. Falls der Markt das Vollportal nicht hergibt, ist das investierte Kapital nicht verloren, sondern in der verteidigbaren Nische geparkt.

TL;DR — die zehn Kernentscheidungen

1. Anforderungsprofil — was die Plattform können muss

Abgeleitet aus den beiden Prototypen (Richtung A „editorial“, Richtung B „Local Discovery“, je 14 Seiten), der Risikoanalyse und den B2G-Marktanforderungen ergibt sich folgendes Profil. Es treibt jede Stack-Entscheidung in diesem Report:

DomäneAnforderungStack-Konsequenz
Mandanten10–200 Tenants, je eigene Domain, eigenes Branding (Design-Tokens), eigenes Impressum/V.i.S.d.P.Multi-Tenancy-Kern, On-Demand-TLS, Theming-System, Legal-Module pro Tenant
InhalteNews/Artikel (redaktionell), Events (+ Ticketing), Gastro-/Branchenverzeichnis, Tourismus-Seiten, UGC (Kommentare, Listings)Block-Editor, Medien-Pipeline, Event-Datenmodell an offenen Standards (schema.org), Moderations-Workflow (DSA)
ReichweiteSEO-kritisch (Rich Results für Events), schnell, leselastig; AI-Search-Realität: strukturierte Daten wichtiger als jeServer-Rendering, strukturierte Daten, Kalender-Feeds, aggressives HTTP-/CDN-Caching, Core Web Vitals als Budget
KäuferB2G/B2B: Vergabeverfahren, Rechnung statt Kreditkarte, AVV, Datenresidenz DE, Barrierefreiheit vertraglich durchgereichtXRechnung-Billing, EU-Hosting, EN 301 549/WCAG 2.2, optionaler SSO-Broker für Behörden-Identitäten (SAML/OIDC)
EndkundenBürger kaufen Tickets, kommentieren, abonnieren NewsletterBFSG-konformer Checkout, lizenzierter PSP mit Marktplatz-/Connect-Modell, Passkeys, EU-Mailversand
Betrieb1–3 Devs müssen Produkt UND Betrieb stemmen; SLA 99,5–99,9 % anbietbarMonolith, Managed-Tooling, wenige bewegliche Teile, dokumentiertes DR

2. Framework-Entscheidung — ergebnisoffener Vergleich

Fünf Stack-Familien wurden ergebnisoffen gegen das Anforderungsprofil evaluiert. Die Entscheidung wurde von vier Faktoren getrieben: vorhandene Team-Expertise, EU-Hosting-Eignung (harte B2G-Anforderung), Reife des Ökosystems für Rechnungs-Billing sowie geringer Betriebsaufwand für ein kleines Team. Wo Alternativen objektiv stärker waren, ist das in die Abwägung eingeflossen — in Summe bietet jedoch kein Alternativpfad einen Vorteil, der den Verlust der vorhandenen Expertise und der EU-Hosting-Eignung aufwiegt.

Entscheidung
Gewählt wurde ein etabliertes PHP-Backend-Framework als Monolith — nicht als Komfort-Entscheidung, sondern weil das Anforderungsprofil (B2G-EU-Hosting, Rechnungs-Billing, Admin-lastiges Produkt, kleines Team) exakt die Disziplinen belohnt, in denen dieses Ökosystem 2026 objektiv führt: reifes Admin-/Redaktions-Framework, etabliertes Payment- und PDF-/Invoicing-Ökosystem (inkl. XRechnung), Applikations-Webserver mit automatischer Pro-Domain-TLS und Managed-Ops-Tooling für Nicht-Ops-Teams. Die zwei ehrlichen Schwächen des Pfads — ein noch nicht final stabiler Mandantenkern und ein vom Public-Frontend abweichendes Admin-Framework — sind beide sauber mitigierbar (siehe §3.2 und §3.4).

3. Der Stack im Detail

3.1 Kernstack — Übersicht

Der Stack ist bewusst schlank und auf wenige, bewährte Bausteine reduziert — konkrete Produktwahl je Layer wird zum Umsetzungsstart final festgezurrt. Die Schichten im Überblick:

3.2 Multi-Tenancy-Architektur

Die wichtigste Einzelentscheidung der gesamten Plattform. Für 10–200 Tenants mit moderatem Einzeltraffic ist der 2026er-Konsens (AWS, PlanetScale, einschlägige Guides) eindeutig:

PatternProContraUrteil
Single DB + datenbankseitige MandantenisolationEine Migration, ein Backup, Cross-Tenant-Suche/Analytics trivial, geringste BetriebskostenIsolation logisch statt physisch — durch Isolation auf DB-Ebene mitigiertEmpfohlen
Schema-per-TenantStärkere Isolation, einfacher Tenant-ExportMigrationen × N, Katalog-Bloat, Query-Planner leidet ab einigen hundert SchemasUnnötiger Overhead
DB-per-TenantMaximale Isolation (Compliance-Argument)3–5× Wartungskosten, Infra 5–8× teurer, Backups/Monitoring × NOverkill

Implementierung (Defense in Depth): Mandanten-Scoping auf Applikationsebene (globale Lese-Scopes + Tenant-Middleware) als erste Verteidigungslinie; datenbankseitige Mandantenisolation pro Request als zweite — ein App-Bug kann dann kein Cross-Tenant-Leak mehr verursachen. Performance-kritisch ist eine geeignete Index-Strategie mit dem Mandanten als führendem Kriterium; richtig umgesetzt ist der Isolations-Overhead auch bei zweistelligen Millionen Zeilen vernachlässigbar. Mandantenkern: ein schlanker Mandantenkern (etabliertes, stabiles Paket oder schlanker Eigenbau), da das Single-DB-Pattern wenig Paket-Magie braucht. Einzelne „VIP-Tenants“ (Großstadt mit Sonderanforderungen) lassen sich später hybrid in eigene DBs auslagern, ohne die Architektur zu brechen.

3.3 Custom Domains & TLS pro Tenant

Jeder Tenant bringt seine eigene Domain mit (veranstaltungen.stadt-xy.de) oder nutzt eine Subdomain (stadt-xy.plattform.de). Der Self-Hosting-Weg ist hier 2026 dem Managed-Weg klar überlegen:

3.4 Frontend-Strategie — zwei Welten, bewusst getrennt

Public-Portal (server-gerendertes Frontend-Framework): nutzt die vorhandene Frontend-Kompetenz und die Interaktionsmuster der Prototypen; das Server-Rendering liefert vollständiges HTML an Crawler — die historischen SEO-/Rendering-Schmerzpunkte sind in den aktuellen Tooling-Generationen beseitigt. Bewusste Alternative für maximale Einfachheit: rein server-gerenderte Templates für die leselastigen Seiten + interaktive Insel-Komponenten für Widgets (Karte, Checkout, Filter) — diese Entscheidung kann in Phase 1 nach einem kurzen Spike final getroffen werden; das Datenmodell ist davon unabhängig.

Admin/Redaktion (etabliertes Admin-Framework): ein vom Public-Frontend abweichender Technologie-Ansatz — das ist der bewusste Trade-off. Begründung: das Admin-Framework liefert CRUD, Tabellen, Formulare, Relation-Manager, Panel-Mandantenfähigkeit und einen Block-/Rich-Text-Editor out of the box; das von Hand nachzubauen kostet 3–4 Monate. Das Admin-Panel ist intern (Redakteure, Tenant-Admins), nicht SEO-relevant, nicht designkritisch — genau dort ist dieser Pragmatismus richtig. Die gewählte Generation ist stabil und mittelfristig ohne disruptive Major-Migration.

Headless-CMS bewusst verworfen: Die geprüften Headless-CMS-Produkte scheiden aus — mal durch Lizenzmodelle, die sich mit dem Mandantenmodell beißen, mal durch strategische Anbieter-Risiken oder Kernfeatures hinter Enterprise-Paywall bzw. restriktiver Lizenz. Keines ist SaaS-mandantenfähig out of the box; alle brächten ein zweites Laufzeit-System in den Betrieb.

3.5 Event-Datenmodell — an Standards ausrichten

Das Eventmodul ist das strategische Herzstück (vgl. Variante B der Risikoanalyse). Das interne Schema wird von Tag 1 an an offenen Standards (schema.org und etablierte Tourismus-Domain-Spezifikationen) ausgerichtet — mit strukturierten Daten für Rich Results, Kalender-Feeds und Open-Data-Schnittstellen:

4. Infrastruktur & Betrieb

4.1 Hosting-Entscheidung

Ein EU-Cloud-Hoster mit ISO/IEC 27001:2022, Datenresidenz Deutschland und AVV als Primär-Hoster — das reicht für die meisten kommunalen DMO-Vergaben. Die ehrliche Lücke: kein BSI-C5-Testat. Dafür gibt es einen dokumentierten Eskalationspfad: ein C5-zertifizierter Eskalations-Hoster (deutscher Anbieter mit C5-Testat + IT-Grundschutz, über die einschlägigen öffentlichen Beschaffungs-Broker rahmenvertraglich beziehbar) — zum ~2–3-fachen Preis, nur wenn eine Vergabe C5 hart fordert. Eine US-betriebene „Sovereign Cloud“ wäre für ein 1–3-Dev-Team Overkill und juristisch weiter umstritten.

Risiko: Infra-Preisvolatilität 2026
Der Primär-Hoster hat 2026 mehrfach die Preise angehoben (auch für Bestandskunden). Konsequenz: ~+30 % Puffer auf Infra-Kosten in alle Kundenkalkulationen einpreisen; die Architektur (Standard-Betriebssystem, portable Provisionierung) hält einen Anbieterwechsel bewusst billig.

4.2 Deployment & Tooling — Plesk wird abgelöst

Das bisherige Shared-Hosting-Panel ist kein SaaS-Betriebswerkzeug: kein Zero-Downtime-Deploy, kein Queue-Worker-Management, kein Infrastructure-as-Code — für eine SaaS mit SLA das falsche Werkzeug. Stattdessen ein schlankes, weitgehend gemanagtes Betriebs-Setup mit folgenden Funktionen:

FunktionKategorieKostenAnmerkung
Server-Provisioning + DeployManaged-Provisioning-/Deploy-Dienstniedrige zweistellige €/MonatZero-Downtime-Deploys, gemanagte Datenbanken (Backups/Patching/Failover), native Hoster-Integration. EU-Alternative und ein quelloffener Exit-Pfad bleiben offen, da Server Standard-Maschinen sind
CI/CDCI-Pipeline mit Test-/Qualitäts-Gates~0 €Build + automatisierte Tests + statische Analyse in der CI, Deploy via Hook; für 1–3 Devs im Free-/Team-Kontingent
CDNEU-CDNab ~1–2 €/Monatgünstiger EU-Traffic; DSGVO-nativ; Basis-WAF inklusive. US-CDNs bewusst vermieden (CLOUD-Act-Reibung im B2G-Vertrieb)
Error-TrackingError-Tracking (EU-Region)niedrige zweistellige €/MonatEU-Datenresidenz; bei Bedenken self-hosted möglich
APMMonitoring/APM (EU-Region)niedrige zweistellige €/MonatEU-Rechenzentrum verfügbar, Mandanten-Support; kostenloses In-App-Dashboard ergänzend
Uptime/StatusUptime-Monitoring + Statuspage0 €Monitore + Statuspage im Gratis-Kontingent; self-hosted als Zweitmeinung

4.3 Datenbank-Betrieb, Backup & DR

Der Primär-Hoster bietet keine native Managed-Datenbank — zwei tragfähige Wege: (a) gemanagte Datenbanken über den Provisioning-Dienst (Backups, Patching, Failover auf dem eigenen Server — der pragmatische Start) oder (b) self-managed mit dediziertem Backup-Werkzeug als späterer Ausbau. DR-Zielwerte, die in B2G-Verträgen anbietbar und mit diesem Setup realistisch sind:

Verfügbarkeit (SLA)
99,5–99,9 %
Portal, kein Fachverfahren — Praxisnorm kommunaler Vergaben
RPO
≤ 15 min
kontinuierliches Transaktionslog-Archiving → faktisch Sekunden
RTO
2–4 h
dokumentiertes Restore-Playbook, quartalsweise Restore-Tests (auditrelevant!)

Backup-Topologie: automatisierte Datenbank-Backups → S3-kompatibler Objektspeicher beim Primär-Hoster plus Offsite-Kopie zu einem zweiten Anbieter mit EU-Datenresidenz gegen Provider-Single-Point-of-Failure. Server-Snapshots als dritte Ebene.

4.4 Infrastrukturkosten — realistisch kalkuliert (netto, Stand 06/2026)

~120–140 €
MVP / 10 Tenants pro Monat: App- + DB-Instanz + Load-Balancer + Objektspeicher + Provisioning-Dienst + Error-Tracking + CDN
~540–600 €
100+ Tenants pro Monat: redundante App-Instanzen + DB-Primary/Replica + Cache-Node + Load-Balancer + Tooling
×2–3
Aufschlag bei C5-Pflicht-Vergabe (Wechsel auf C5-zertifizierten Eskalations-Hoster) — als Eskalationspfad dokumentieren
+30 %
Empfohlener Puffer in Kundenkalkulationen (Infra-Preisvolatilität 2026)

Zum Vergleich: dasselbe Setup auf einer US-betriebenen Managed-Cloud-Plattform (EU-Region verfügbar, aber US-Anbieter + Usage-Pricing) läge grob beim 3–5-Fachen und bliebe im B2G-Vertrieb angreifbar.

5. Compliance-Architektur — Recht als Produktfeature

Für B2G-Kunden ist Compliance kein Anhang, sondern Kaufkriterium. Sechs Rechtsbereiche greifen direkt ins Datenmodell und die Roadmap — alle sechs sind von Tag 1 eingeplant statt nachgerüstet:

RechtsrahmenStand 06/2026Konsequenz im Produkt
E-Rechnung / XRechnungEmpfangspflicht B2B seit 01/2025; Ausstellungspflicht ab 2027 (>800 k € Umsatz) bzw. 2028 (alle). B2G: XRechnung mit Leitweg-ID faktisch PflichtInvoice-first-Billing mit eigener XRechnung-/ZUGFeRD-Erzeugung; KoSIT-konforme Validierung in der Pipeline; SEPA-Überweisung/Lastschrift statt Karten-Checkout für SaaS-Gebühren
ZAG / PSD2 (Ticketing)Geldannahme für Dritte = erlaubnispflichtiges Finanztransfergeschäft (BaFin); Handelsvertreterausnahme engEin lizenzierter Zahlungsdienstleister (PSP) mit Marktplatz-/Connect-Modell (Auszahlung direkt an Veranstalter, Express-Onboarding, Plattform-Gebühr) — Gelder fließen nie übers eigene Konto. KassenSichV/TSE: für reinen Online-Verkauf nicht relevant
EU AI Act, Art. 50Hauptanwendung 02.08.2026; Digital Omnibus (Einigung 07.05.2026) verschiebt nur Hochrisiko-Pflichten auf 2027/28, nicht Art. 50. Maschinenlesbare Markierung synthetischer Inhalte ab 02.12.2026 (Grandfathering-Detail vor Go-Live anwaltlich verifizieren)Human-in-the-loop-Publishing erzwingen: KI-Entwurf → redaktionelle Prüfung → V.i.S.d.P. — die redaktionelle-Verantwortung-Ausnahme befreit Texte weitgehend von der Kennzeichnungspflicht. KI-Bildgenerierung: C2PA-Manifest in der Pipeline
BFSG / BITV 2.0BFSG in Kraft seit 28.06.2025 — Ticketing-Checkout und B2C-Vertragsanbahnung fallen darunter; Kommunen reichen BITV 2.0 / EN 301 549 vertraglich durch. EN-Update mit WCAG-2.2-Referenz noch nicht im AmtsblattDirekt gegen WCAG 2.2 AA bauen (abwärtskompatibel); Accessibility im Design-System (Fokus-Management, Kontrast-Tokens, Formulare); Barrierefreiheitserklärungs-Modul pro Tenant; externer BITV-Test vor GA
DSGVO / TDDDGEuG hat DPF-Klage (Latombe) am 03.09.2025 abgewiesen — US-Transfers formal weiter zulässig, politisches Restrisiko bleibt; B2G-Kunden schließen US-Hoster faktisch oft ausPlattform = Auftragsverarbeiter: standardisierter AVV + TOM-Anhang + Subprozessorenliste (inkl. KI-APIs mit EU-Endpoints!); Consent-Management pro Tenant-Domain (quelloffene Lösung); EU-only-Defaults überall
DSA / DDG & § 18 MStVNIS2UmsuCG seit 06.12.2025 in Kraft (Agentur anfangs unter den Schwellen, aber Lieferketten-Klauseln der Kunden!); DSA-Hostingpflichten gelten auch für KleinstunternehmenNotice-and-Action-Meldeweg (Art. 16) + Begründungsversand (Art. 17) als mandantenfähiges Moderations-Feature; Impressum + V.i.S.d.P. pro Tenant konfigurierbar; Gegendarstellungs-Workflow (§ 20 MStV); „Anzeige“-Kennzeichnung im Content-Modell
Der eine Workflow, der drei Gesetze gleichzeitig löst
Der Redaktions-Workflow (KI-Entwurf → menschliche Prüfung → Freigabe durch benannten V.i.S.d.P.) erfüllt zugleich die Art.-50-Ausnahme des AI Act (redaktionelle Verantwortung), die §-18-MStV-Pflicht (V.i.S.d.P. je Tenant) und die journalistische Sorgfaltspflicht (§ 19 MStV). Er ist deshalb kein Nice-to-have, sondern Kernarchitektur des Content-Moduls — und gleichzeitig das stärkste Differenzierungsmerkmal gegenüber generischen CMS-Wettbewerbern im B2G-Vertrieb.

6. Roadmap bis Production-Ready

Annahmen: 2 Entwickler Vollzeit (3. Person punktuell für Design/QA), intensiver Claude-Code-Einsatz, Prototypen A/B als Design-Grundlage vorhanden. Aufwände in Personentagen (PT) inklusive Tests — automatisierte Test- und Qualitäts-Gates laufen ab Phase 0 in CI, nicht als nachgelagerte QA-Phase. Die Phasen 1–3 sind so geschnitten, dass nach Phase 3 ein eigenständig verkaufbares Event-Modul existiert (= Variante B der Risikoanalyse als eingebauter Plan B).

PhaseZeitraumInhalt & DeliverablesAufwand
0 — Fundament Wo 1–4 Monorepo + CI/CD (automatisierte Test-/Statik-/Format-Gates); Provisionierung beim EU-Cloud-Hoster (Staging/Prod), App-Webserver-Setup inkl. Spike zur automatischen Pro-Domain-TLS mit Domänen-Eigentumsprüfung; Mandantenkern (Tenant-Modell, Middleware, globale Scopes, datenbankseitige Isolation, Index-Konvention); Authentifizierung (inkl. Passkeys, Rollen/Permissions); Design-System: Tokens aus Prototyp-Entscheidung (A oder B!) in Design-Tokens des Frontend-Stacks; Frontend-Spike: server-gerendertes Framework vs. Templates + Insel-Komponenten → Entscheidung ~70–85 PT
1 — Content-Core Wo 5–12 Artikel-/Seitenmodell mit Block-/Rich-Text-Editor; Redaktions-Workflow (Entwurf → Review → V.i.S.d.P.-Freigabe — AI-Act-/MStV-konform); Admin-Panel mit Panel-Mandantenfähigkeit; Medien-Pipeline (AVIF/WebP, srcset); Kategorien/Tags/Autoren; Public-Frontend Homepage/News/Artikel aus dem Prototyp; SEO-Grundausstattung (strukturierte Daten für Artikel, Sitemaps, Canonicals, OG); typtolerante Suche (deutsche Synonym-Liste); HTTP-/CDN-Caching-Strategie ~120–150 PT
2 — Verzeichnis & Karten Wo 13–18 Gastro-/Business-Modell (Öffnungszeiten, Attribute, Claim-Prozess für Gewerbetreibende); DSGVO-konformer Karten- und Geocoding-Stack ohne Consent-Banner (self-hosted, DACH-Raum); Listen-/Karten-/Detailansichten aus Prototyp; Bewertungs-/Kommentarsystem inkl. DSA-Moderation (Meldeweg Art. 16, Begründungsversand Art. 17, Moderations-Queue im Admin-Panel); Tourismus-Seitentypen ~90–110 PT
3 — Events & Ticketing Wo 19–26 Event-Datenmodell an offenen Standards (schema.org/Tourismus-Spezifikationen: Serien, Wiederholungen, Absagen-Status, Barrierefreiheits-Attribute); Kalender-/Listen-/Detailseiten + strukturierte Daten für Rich Results + Kalender-Feeds; Import aus Landes-/Open-Data-Ökosystemen (Mapping); Ticketing: Onboarding der Veranstalter beim PSP (Express), Checkout (BFSG/WCAG-2.2-konform!), Kontingente, PDF-Tickets mit QR, Check-in-Ansicht (PWA), Storno/Refund-Flows; Open-Data-Schnittstelle für Events
Meilenstein: eigenständig verkaufbares Event-Modul (= Variante B)
~110–140 PT
4 — SaaS-Schicht Wo 27–33 Tenant-Self-Service: Onboarding-Wizard, Theming (Token-Editor: Logo, Farben, Typo), Custom-Domain-Flow (DNS-Verifikation → automatische Pro-Domain-TLS); Plan-/Feature-Gating; Billing: Vertragsverwaltung + Rechnungslauf mit XRechnung/ZUGFeRD (KoSIT-validiert), Leitweg-ID, SEPA; Legal-Module pro Tenant (Impressum, V.i.S.d.P., Datenschutz, Barrierefreiheitserklärung, AVV-Generator); Consent-Management-Integration; Anbindung des EU-Mailversand-Dienstes (transaktional + Tenant-Newsletter); Spike für Behörden-SSO via SSO-Broker (nur wenn erster Kunde es fordert — sonst Backlog) ~90–115 PT
5 — Hardening Wo 34–39 Externer Pentest + Behebung; externer BITV-/WCAG-2.2-Audit (z. B. BIK-Test) + Behebung; Lasttests (Ticket-Onsale-Szenario!); DR-Probe: dokumentierter Full-Restore (RTO-Nachweis); Observability-Feinschliff (Monitoring-Alerts, Statuspage); Security-Review der Mandantenisolations-Policies; Betriebs-Runbooks; Vertriebsdokumente (AVV, TOMs, SLA, Subprozessorenliste, EVB-IT-Cloud-Kriterienkatalog-Antworten) ~60–75 PT
6 — Pilot & GA Wo 40–44 Pilotbetrieb mit 1–2 Design-Partnern (unser-wuerzburg.com selbst als Tenant Nr. 1 + idealerweise eine zahlende Kommune/DMO); Feedback-Schleife; Migrations-Tooling für Bestandsdaten; Go-Live-Checkliste; GA ~40–55 PT
Gesamtdauer bis GA
~10–11 Monate
44 Wochen bei 2 Devs + Claude Code; Puffer in Phasen enthalten
Gesamtaufwand
620–780 PT
zzgl. externe Posten: Pentest ~8–15 k €, BITV-Audit ~5–10 k €, Anwalt (AVV/AGB/AI Act) ~10–20 k €
Frühester verkaufbarer Stand
Wo 26
Event-Modul (Variante B) — Vertrieb kann hier starten, während Phase 4–6 läuft

6.1 Was bewusst NICHT im Scope bis GA ist

7. Risiken & offene Entscheidungen

#Risiko / EntscheidungSchwereMitigation
R1Markt-Risiko bleibt dominant: No-Go-Bewertung der Risikoanalyse gilt unverändert; 9–18 Monate Vergabe-Sales-Cycle parallel zur EntwicklungkritischPhasenschnitt mit verkaufbarem Event-Modul ab Wo 26; Design-Partner VOR Phase 1 akquirieren — ohne LOI eines zahlenden Pilotkunden Phase 2+ nicht starten
R2Mandantenkern: Festlegung in Phase 0; nicht jedes Paket ist final stabilmittelStabiles, etabliertes Paket oder schlanker Eigenbau; Single-DB-Pattern minimiert die Paket-Abhängigkeit
R3Primär-Hoster: mehrere Preiserhöhungen in 2026 + fehlendes C5-Testatmittel+30 % Kalkulations-Puffer; portable Architektur; Eskalationspfad zu C5-zertifiziertem Hoster dokumentiert
R4AI-Act-Detailfragen (Provider- vs. Deployer-Einstufung bei KI-Features, Grandfathering-Fristen des Digital Omnibus)mittelHuman-in-the-loop als Default-Architektur; anwaltliche Prüfung vor Aktivierung von KI-Features (Budget eingeplant)
R5BFSG-Konformität des Ticketing-Checkouts — Marktaufsicht aktiv seit 2025mittelWCAG 2.2 AA von Tag 1 im Design-System; externer BITV-Audit in Phase 5 als Gate vor GA
R6Frontend-Doppelstack (eigener Ansatz für Public-Portal vs. Admin-Panel) erhöht kognitive LastniedrigStrikte Trennung der Welten; Admin-Framework nur intern; gemeinsame Design-Tokens
R7Such-Dienst: deutsche Komposita-Zerlegung fehltniedrigSynonym-/Custom-Dictionary; Wechsel auf alternative Such-Engine als spätere Option (Such-Abstraktion hält Wechselkosten klein)
R8DSA-Einstufung: Branchenbuch mit Selbst-Einträgen könnte „Online-Plattform“-Schwelle reißenniedrigArt.-16/17-Pflichten ohnehin implementiert; Einzelfallbewertung mit Anwalt in Phase 4

Versionsstände, Preise und Rechtslagen wurden zum Stichtag per Websuche aus den jeweiligen Primär- und Sekundärquellen erhoben (Hersteller-/Behörden-Dokumentation, Fachpresse, einschlägige Rechts- und Datenschutz-Quellen). Detaillierte Quellenangaben sind in dieser Kundenfassung nicht enthalten.